MATHIAS WOLF

SKULPTUREN

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Mathias Wolfs Skulpturen sind weiße, schwarze und schwarz-weiße Holzskulpturen, die auf den ersten Blick elegant aber auch abweisend kalt daherkommen: Berühren nicht erlaubt!
Von der ursprünglichen Wärme des Materials, dem Holz, das er vom Strand oder aus dem Wald nach Hause trägt, ist nichts mehr zu spüren. Und doch steckt in jeder dieser makellosen Hüllen ein Holzkern, den Wolf in Polyester eingebettet, ein Dutzend Mal beschliffen, ebensooft mit der Airbrush-Technik lackiert und in eine neue ästhetische Identität überführt hat.
Dabei ist Ästhetik für ihn mehr als bloße Dekoration - sie bedeutet für ihn ein Durchdringen zum Wesentlichen.
Wolf ist ein Meister der peniblen Oberflächenbehandlung. Dort, wo andere aufhören zu polieren, beginnt erst seine Präzision, die sein Streben nach etwas Perfektem kennzeichnet. Unter der Glätte und den weichen Konturen seiner rein weißen Skulpturen spürt man konzentrierte, potentielle Energie, die sich bei den Eiformen explosionsartig den Weg nach außen gesucht hat und als schwarze Masse aus der geborstenen Eihülle quillt.
Einerseits gelingt Wolf mit dem Abflammen des Holzes die Schwärzung und Konservierung, andererseits betont er damit die unterschiedlichen Zustände des Materials. Mit dem Feuer überführt er die lebendig erscheinende Holzstruktur mit Maserung und Jahresringen, die man wie Lebenszeichen lesen kann, in eine morbide Substanz aus schwarzer Kohle. Die Transformation des Stoffes Holz kann als Metapher für Leben und Tod interpretiert werden.
Wolfs Arbeiten leben von den Kontrastwirkungen: Glatt gegen rau, Schwarz gegen Weiß.
Weiß steht für Frische, Reinheit und Hygiene, aber es ist auch die "Farbe" der unentschlossenen und der abweisenden Kälte.
Schwarz dagegen symbolisiert Tiefe und Stärke, gleichzeitig schafft es Struktur, aber es ist auch die "Farbe" des Bedrohlichen und des Todes.
Wolf ist ein Grenzgänger, den es reizt, mit technischen Rafinessen, bis ans Limit eines Materials zu gehen.
Mit seinen Skulpturen gelingt es ihm, Holz, Ästhetik und Poesie aber auch die Magie freiwerdender Kräfte zu entlocken.
Dr. Peter Bergmann, Kurator
Aus der Eröffnugsrede zum 16. Skulpturensommer im Botanischen Garten, Kiel
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